Stahlbau Mark Ges.m.b.H & Co KG
Den Grundstein zu dieser Firma legt ein einfacher Handwerker, nämlich Johann
MRAK aus Maria Elend im Kärntner Rosental. Er ist am 11.05.1885 in Wocheiner
Vellach im Kronland Krain geboren. Der Ort liegt im heutigen Slowenien.
Nach der Absolvierung einer dreijährigen Lehre in einer Schmiede in seiner
Heimat macht er sich, wie es damals üblich war, als Handwerksbursche auf die
Wanderschaft. Als solcher tritt er am 27.11.1911 in Stuttgart dem Bezirk
Südwestdeutschland des christlichen Metall-Arbeiter- Verbandes bei. Nach kurzer
Arbeitslosigkeit im März und April 1912 arbeitet er in Will in der Schweiz,
später in der Wiener Gegend und anschließend wiederum in der Schweiz, beim Huf-
und Wagenschmied Johann Wehinger in St. Gallen.
Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges wird er zu den Waffen gerufen, als Zugführer
schwer verwundet und ist deswegen ab 1917 nicht mehr militärtauglich. Daher darf
er vom 01.06.1917 bis zum 10.06.1918 die "Schule für Kriegsinvalide" in
Klagenfurt besuchen und erlernt dort den Beruf des Hufbeschlagschmiedes. Nachdem
er die Schule "vorzüglich" abgeschlossen hat, legt er am 05.07.1918 die
Meisterprüfung vor der Prüfungskommission für Hufschmiede in Klagenfurt ab.
Diese Kommission erklärt: Diese Kommission erklärt: "Der Prüfling hat sehr gute
Kenntnisse im Verfertigen und auch im Auflegen von Hufeisen sowie des Huf- und
Klauenbeschlages und wird somit für besonders tauglich befunden, ein
Hufschmiedgewerbe anzutreten."
Nach Kriegsende arbeitet Johann MRAK vom November 1918 bis November 1920 beim
Schmied Albert Rohner in Höchst, dann ein Jahr lang beim Schmied Franz Josef
Längle in Götzis und darauf in der Büchel-Schmiede "Im Kehr" in Feldkirch.
Am 10.07.1923 zieht Johann MRAK nach Thüringen und übernimmt hier die Schmiede
des Stefan Brunold im Haus Nr 88 in der "Herragass". Stefan Brunold ist am
19.06.1923 gestorben, die Werkstatt verwaist. Johann MRAK wohnt im Haus Nr 59
bei Katharina Brunold.
Mit der Werkstätte übernimmt Johann MRAK auch den Lehrling Georg Hartmann,
dessen Lehrvertrag noch aufrecht ist.
Am 18.06.1924 ändert Johann MRAK laut behördlichem Dekret seinen Familiennamen
und nennt sich fortan MARK.
Am 11.05.1925 heiratet Johann Mark Johanna Brunold aus Thüringen, die ihm am
10.08.1926 die Tochter Adelheid und am 11.09.1927 die Tochter Martha schenkt. Am
10.02.1929 stirbt Johanna Brunold.
Johann Mark heiratet in zweiter Ehe Maria Büsel von Götzis, die ihm am
10.06.1934 den Sohn Werner schenkt. Sie stirbt am 13.04.1945.
All die Jahre arbeitet Johann Mark in seiner Werkstätte als Huf-, Wagen- und
Zeugschmied. Schon diese Gewerbe-Bezeichnung lässt den Umfang seines
Arbeitsfeldes erkennen: In dieser Zeit, als noch kein Traktor und kaum ein Auto
fährt, ist das Pferdegespann fast das einzige Transportmittel. Das gibt viel
Arbeit für den Hufschmied, der auch die Wagen aus der Wagnerei unter dem
gleichen Dach zu beschlagen hat und auf die zugehörigen hölzernen Räder die
eisernen Radreifen aufzieht. Der Zeugschmied hat viel mit Werkzeug in der
Landwirtschaft und im Forstwesen zu tun. Johann Mark ist auch sehr aktiv, als im
Jahr 1928 die Wasserversorgung in Thüringen von Grund auf neu angelegt wird.
Diese Verbindung mit dem Wasserwesen im Dorf bleibt bis lange nach dem Zweiten
Weltkrieg bestehen, und die Firma Mark hat in vielen Häusern der
Sankt-Anna-siedlung die Wasser-Hausanschlüsse hergestellt.
Mittlerweile wächst in Maria Elend in Kärnten der Sohn des Johann Mark und der
Maria Printschler heran, der dort am 15.04.1919 geboren worden war. Als Schulbub
hatte er zweimal seinen Vater in Thüringen besucht und sich hier für das
Schmiedehandwerk begeistert.
Nach der Entlassung aus der Volks- und Hauptschule nimmt Johann Mark seinen Sohn
Albert Printschler zu sich. Er will seinen bislang einzigen Sohn im
Schmiedehandwerk ausbilden. Alberts Lehrzeit dauert vom 01.04.1934 bis zum
31.03.1937. Am 22.05.1937 legt albert in Bregenz die Gesellenprüfung als Schmied
erfolgreich ab.
Der junge Geselle arbeitet in der Folge in der Schlosserei der Textilfirma Ing.
Rudolf Kastner in Thüringen, bis er am 02.11.1938 zum Wehrdienst einberufen
wird. Er wird der Luftwaffe zugeteilt und kommt am 31.05.1945 unversehrt aus dem
Krieg heim.
Durch Verfügung des Reichsstatthalters für Tirol und Vorarlberg wird am
28.07.1943 Alberts Familienname von "Printschler" auf "MARK" geändert. Der
nunmehrige Albert Mark heiratet am 15.07.1944 in Thüringen seine Braut Anna Kerber aus Schongau am Lech. Mit ihr zieht er acht Kinder groß. Sie stirbt am
27.03.1992.
Nach dem Krieg arbeitet Albert Mark als Geselle im väterlichen Betrieb bis zum
03.10.1948. Während dieser Zeit ist er auch mit der Meisterprüfung befasst, die
er im Gewerbe der Schmiede erfolgreich ablegt, und Albert daher am 10.05.1948
seinen Meisterbrief erhält.
Der junge Meister tritt am 04.10.1948 bei der Bludenzer Textilfirma Getzner,
Mutter & Cie in die Zentral-Reparaturwerkstätte ein. Hier wird er mit den
verschiedensten Arbeiten und Tätigkeiten konfrontiert und hat mit den
unterschiedlichsten Materialien zu arbeiten. Diese Tätigkeit dauert bis zum
15.09.1955. Albert bezeichnet diese Zeit in beruflicher Hinsicht als seine
lehrreichste. Was er hier gelernt hat, ermöglicht ihm die Eröffnung eines
eigenen Betriebes, die zu dieser Zeit auch erfolgt.
Dazu kommt, dass um diese Zeit der Vater kränklich wird und den Beruf aufgeben
muss. Doch bevor Johann Mark sterben muss, darf er noch eine große, ganz
persönliche Freude erleben: Den Tod vor Augen und nicht mehr imstande, sein
Krankenbett zu verlassen, besucht ihn der älteste Sohn seines letzten Kaisers
Karl, Otto von Habsburg, an seinem Sterbelager. Otto ist damals für die
Pan-Europa-Bewegung nach Thüringen gekommen, um im "Rößle" für die Idee des
vereinten Europa zu werben. Vor seinem Vortrag besucht er Johann Mark, den
Zugsführer aus dem Ersten Weltkrieg, der seinen Fahneneid auf seinen Kaiser
Franz Joseph und später auf den jungen Kaiser Karl geleistet und an der Front
mit seinem Blut besiegelt hat. Johann Marks Freude und auch seine Ergriffenheit
ist kaum zu beschreiben. Bald nach diesem für ihn fast unfassbaren Ereignis
stirbt er, rückt am 17.06.1967 zur "Großen Armee" ein.
Seit dem 15.09.1955 also führt Albert Mark den väterlichen Betrieb weiter. Er
gibt ihm den aussagekräftigen Namen "Mechanische Werkstätte Albert Mark".
Alberts Halbbruder Werner tritt am 02.01.1956 seine Arbeit im Betrieb an und
wird ein äußerst wertvoller Mitarbeiter. Als er am 01.05.1989 aus
gesundheitlichen Gründen in den vorzeitigen Ruhestand treten muss, ist das für
den Betrieb ein echter Verlust.
Der neue Betrieb lässt sich gut an. Hier muss der Herren Ing. Herbert Hanser und
Ing. Werner Neyer von der Firma Getzner, Mutter & Cie gedacht werden, die den
jungen Betrieb mit Aufträgen ihrer Firma versorgen sodass genügend Arbeit und
Verdienst vorhanden sind. In der väterlichen Werkstätte wird es für diese
Arbeitsfülle zu eng. Albert muss an einen Neubau denken. Dabei hat er eben erst
das Wohnhaus für seine Familie fertig gestellt, in das er mit Frau und Kindern
am 01.10.1952 einziehen kann.
Die Suche nach einem geeigneten Baugrund ist sehr schwierig. Der damalige
Bürgermeister von Thüringen, Ludwig Tschann, möchte den Betrieb in Thüringen
halten, kann aber keinen geeigneten Baugrund bereitstellen. Der Bludescher
Bürgermeister Christian Nigsch ist in der besseren Lage: Er kann namens der
Gemeinde Bludesch den gewünschten Baugrund "Im Stampf", hart an der Grenze zu
Thüringen, an Albert Mark verkaufen.
Bei der Planung des Betriebsgebäudes kommen die schon genannten Ingenieure
Hanser und Neyer Albert Mark sehr zu Hilfe: Sie entwerfen das neue
Betriebsgebäude und fertigen die entsprechenden Pläne in ihrer bewährten
Freundschaft zu Albert Mark kostenlos an. Das soll hier ausdrücklich und in
Dankbarkeit festgehalten sein.
Baubeginn ist im Jahr 1959, und im Sommer 1960 kann in der neuen Halle schon
gearbeitet werden. Manches fehlt noch, aber jetzt können auf 390 m² Nutzfläche
Arbeiten durchgeführt werden, deren Ausführung in der alten Werkstätte in
Thüringen Nr 88 mit ihren 50 m² nicht möglich gewesen wäre.
Dies vor allem deswegen, weil sich die bisherige "Mechanische Werkstätte Albert
Mark" als erste in Vorarlberg der um diese Zeit in Schwung kommenden Errichtung
von Industriehallen in Stahlbauweise zuwendet und sich hinkünftig "Stahlbau Mark
in Bludesch" nennt. Das erste Bauwerk dieser Art ist das Heizhaus der Firma Getzner, Mutter & Cie in Bludenz mit einer spannweite von acht Metern und kann
daher noch in der "alten" Werkstätte in der "Herragass" verfertigt werden. Dann
stellt Albert die eigene Halle auf mit einer Spannweite von dreizehn Metern, und
die erste Produktion in dieser neuen Halle ist eine Halle für die
Maschinenfabrik Schelling in Schwarzach, und dies alles zu einer Zeit, als die
Firma Mark weder über eigene Transportmittel noch über Hebewerkzeuge oder Krane
verfügt und die Anschaffung etwa einer weiteren Schweißmaschine noch
nächtelanges Kopfzerbrechen wegen der Finanzierung mit sich bringt.
In den kommenden Jahren verlassen die verschiedensten Produktionen den neuen
Betrieb: z.B. eine Lagerhalle für Baumwollballen im Betrieb Klarenbrunn der
Getzner, Mutter & Cie und das Gebäude für das dortige Kraftwerk, zwei Hallen
samt Zubau für Eisen-Rhomberg in Klaus, eine Halle für die EHG in
Dornbirn/Schwefel, ein Stickereigebäude in der Pestalozzistraße in Lustenau, die
Großtankstelle beim Aral-Lager in Lustenau, die Mittelstation der Hochjochbahn
in Schruns und vor allem die Dachkonstruktion beim Festspielhaus in Bregenz.
Bald nach dem Bezug der neuen Halle errichtet Albert Mark eine Tankstelle in
unmittelbarer Nähe der Halle, die heute ein vollwertiges Servicezentrum ist und
im Eigentum der Firma steht.
Am 01.05.1979 tritt Albert Mark altershalber in den Ruhestand, allerdings nicht
ohne den Betrieb vorher in eine neue Gesellschaftsform überführt zu haben. Aus
dem Einzelunternehmen wird durch die Hereinnahme seiner acht Kinder zu je einem
Zehntel eine Betriebsgesellschaft, in welcher er zwei Zehntel an Anteilen
behält. Die Gesellschaft firmiert hinkünftig als "Stahlbau Mark Ges.m.b.H & Co
KG".
Albert Marks Mitkommanditisten innerhalb der neuen Gesellschaft sind daher:
Mark Klaus 20.06.1945 6712 Thüringen
Willi Gabriele 29.10.1946 6712 Bludesch
Vernik Christine 01.01.1949 6712 Thüringen
Mark Gerhard 01.10.1952 6712 Thüringen
Heim Annemarie 29.02.1956 6712 Thüringen
Mark Siegfried 12.07.1958 6714 Nüziders
Rauscher Susanne 28.10.1959 6712 Thüringen
Mag. Reindl Ulrike 10.10.1963 2700 Wr. Neustadt
Geschäftsführer der neuformierten Gesellschaft wird der Schwiegersohn Alberts,
Siegfried Willi, der in dieser Eigenschaft bis zum Frühjahr 1992. Unter seiner
Ägide wird der Betrieb um eine zweite Werkshalle erweitert und die Tankstelle zu
einer Großtankstelle ausgebaut. Seit dem Frühjahr 1992 ist Albert Marks jüngster
Sohn, Siegfried Mark, geschäftsführender Gesellschafter.
Durch mehr als 75 Jahre spannt sich nunmehr der Bogen der Firma Mark. Was der
Großvater Johann Mrak begann, woran sein Sohn Albert Mark auf- und weiterbaute,
ist jetzt der Führung von dessen jüngstem Sohn, Siegfried Mark, anvertraut. Aus
der unscheinbaren Dorfschmiede ist ein namhafter Betrieb mit landesweiter
Ausstrahlung geworden. Der 1923 noch allein arbeitende Schmied hat letztlich den
Grund gelegt zu einem Betrieb, der heute rund zwanzig Menschen Arbeit und Brot
gibt. Das ist ein großartiger Erfolg, an dem heute die dritte Generation
weiterarbeitet.
Das großväterliche und väterliche Erbe getreulich zu verwalten und zu mehren,
das ist die ebenso schwere wie großartige Lebensaufgabe für den jungen
Geschäftsführer. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, wird er vor allem des
loyalen Mitwirkens aller Gesellschafter bedürfen; denn nur Einigkeit macht
stark.
(Für den nunmehr achtzigjährigen Albert Mark nach seinen Angaben und unter
Verwendung alter Dokumente verfasst in freundnachbarlicher Verbundenheit von
Karl Gerstgrasser im Juli des Jahres neunzehnhundertneunundneunzig.)
Abschrift der Jubiläumsschrift 75 Jahre Stahlbau Mark